Gnadenlos v. 25.4.17

Deutsche Justiz ist gnadenlos

Als ich aus der Zeitung die Meldung las, die ganz verschämt auf der dritten Seite unten links stand, dass ein 95jähriger eine vierjährige Haftstrafe antreten muss, bin ich bald vom Hocker gefallen.

Hat er etwa k√ľrzlich eine entsprechende Straftat begangen, die es zu s√ľhnen galt? Nein, ein vor √ľber 70 Jahren zur√ľckliegendes Geschehen, als der 2. Weltkrieg tobte, wurde von der Justiz aufgebr√∂selt und f√ľhrte zur Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord innerhalb des KZs Auschwitz.

Er war dort als 21jähriger Soldat in der Verwaltung tätig und wird auch wohl von den Verbrechen an den Juden gewusst haben. Aufgrund seiner Versetzungsgesuche wurde er dann 1944 an die Westfront versetzt.

Es tut sich hier die Frage auf, ob irgendeiner derjenigen, die ihn anklagen und √ľber ihn richten, sich in der Situation, in der er sich damals befand, h√§tten anders verhalten, als er? Ob die Herrschaften Staatsanw√§lte und Richter wohl Befehlsverweigerung begangen h√§tten? Ich glaube kaum.

Der alte r√∂mische Grundsatz ‚ÄěKeine Strafe ohne Gesetz‚Äú wurde ¬†1965 gebrochen, indem man die Verj√§hrungsfrist f√ľr Mord aufgehoben hat, damit man Verbrechen auf deutscher Seite, die w√§hrend des Krieges geschehen waren, bis zum Sankt Nimmerleinstag verfolgen kann. Das h√§lt den deutschen Schuldkult und die deutsche Zahlungsbereitschaft an bestimmte Empf√§nger, egal wie diese sich auch verhalten, immer sch√∂n frisch.

Die Gnadenlosigkeit der deutschen Justiz, die ja an sich immer auf Resozialisierung getrimmt ist und diese auch immer propagiert und damit die Straffreiheit und Bewährung bei vielen Serienstraftätern unsanktioniert lässt, gilt jedoch nicht, wenn es gegen ehemalige Soldaten geht, die den Befehlen zu gehorchen hatten. Da wird auch ein Mensch an der Neige seines Lebens noch ins Gefängnis gesteckt. Unglaublich!

Da schie√üt Deutschland mal wieder den Vogel ab, denn in den anderen kriegf√ľhrenden Staaten des 2. Weltkrieges w√§re so was undenkbar.

Manfred Kuras