Monats-Archive: Juni 2019

Die Herren aus dem Afrikaviertel v.27.6.2019

Geschichte r√ľckblickend zu betrachten, das Ergebnis zu kennen und dann beckmesserisch zu behaupten: Ich habs ja gleich gewusst! ist in Deutschland wohlfeil und leider weit verbreitet. Wenn man der damaligen Zeit gerecht werden will, muss man sich in die damals herrschende Situation und Betrachtungsweise hineinversetzen. Das tun leider nur die wenigsten.

Ob die Stra√üennamen im ‚ÄěAfrikaviertel‚Äú ge√§ndert werden sollten, h√§ngt davon ab, ob die Namen wirklich so belastet sind, dass dies unbedingt erforderlich ist. Die in dem Artikel der CN vom 25.6. 2019 dargestellten Lebensl√§ufe der Herren sind nicht geeignet, dass die Stra√üennamen zu √§ndern w√§ren. Der wirklich brutale General von Trotha ist nicht dabei. Dieser ist nach Bekanntwerden seines Vernichtungsbefehls auch von Berlin zur√ľckgepfiffen und seines Postens enthoben worden.

Seitens der Reichsregierung war keinesfalls die Vernichtung der Hereros und der Namas beabsichtigt. Aber betrachtet aus dem Jahr 1904 war der Aufstand oder Krieg der Hereros gegen die Kolonialmacht, der mit der Ermordung von 140 Siedlern begann, nat√ľrlich f√ľr diese nicht hinnehmbar und musste einged√§mmt werden, wenn man glaubw√ľrdig bleiben will. Es war auch keinesfalls so, dass die Aufst√§ndischen wehrlose Hirten mit Pfeil und Bogen waren. Sie hatten Schusswaffen und waren zu milit√§rischen Aktionen durchaus in der Lage. Sie eroberten viele Ziele und machten die Besatzungen nieder. Es entwickelten sich regelrechte Gefechte, bei der die Deutschen starke Verluste hinnehmen mussten. Letztendlich siegten die Deutschen; die Aufst√§ndischen flohen in die W√ľste, wo viele umkamen.

Ein V√∂lkermord war es nicht, auch wenn Deutschland dies offiziell 2016 anerkannte; aber unsere Politiker machen ja immer einen R√ľckzieher, wenn man nur laut genug schreit.

Letztendlich geht es um Geld, sogn. Entsch√§digungsforderungen, die sogar in New York eingeklagt werden. Und ‚Äď wetten das ‚Äď unsere Regierung wird schon Wege finden, diese zu befriedigen. Dies, obwohl Deutschland keinem anderen Land soviel Entwicklungshilfe gegeben hat, wie Namibia.

Im ersten Abschnitt des Artikels vom 20.6. √ľber die Kolonialzeit hie√üt es:

‚ÄěDer Engl√§nder war brutal; der Franzose auch nicht ohne. Und der Portugiese erst! Vom Belgier gar nicht zu reden.‚Äú Ganz recht, nur dort redet keiner davon oder nur sehr ged√§mpft. Ich kenne keine Entsch√§digungsforderungen der ehem. Kolonien gegen√ľber diesen L√§ndern. Nur gegen Deutschland, das zwei Kriege verloren hat, ein Drittel seines Gebietes beraubt wurde, 13 Millionen Deutsche vertrieben wurde mit 2,5 Mio. Opfern, das kann man beschuldigen und anzapfen. Das schlimmste ist, das die Deutschen selber am meisten dazu beitragen, dass der Schuldkult gepflegt wird.

Die Verantwortlichen sollten sich aber im klaren sein, dass dies auf Dauer dazu f√ľhrt, das der Zusammenhalt und das Zusammengeh√∂rigkeitsgef√ľhl auf der Strecke bleibt, denn wer m√∂chte schon einem schuldigen Volk angeh√∂ren? Das hat Folgen, die wir jetzt schon sehen und die sich weiter verst√§rken werden.

Manfred Kuras