Monats-Archive: November 2023

Gaza-Krise im Nahen Osten

Denkmal Vertreibung der Deutschen

Ich war mal wieder in der Kirche zum Reformationsgottesdienst und war davon recht angetan. Das Thema war die Barmherzigkeit, die uns durch Gott zuteil wird. Auf uns, die wir hier in Wohlstand und relativen Frieden leben können, mag das zutreffen, aber nicht im Nahen Osten, in israelisch dominierten Gebieten.

Der brutale √úberfall der Hamas mit zahlreichen Toten, Verletzten und Entf√ľhrten am 7. Oktober hat Israel zum Anlass genommen, Tabularasa zu machen und mit der Begr√ľndung, gegen die Hamas vorzugehen, die Vertreibung und Bombardierung der Pal√§stinenser im Gaza-Streifen ohne Augenma√ü und Opferzahl durchzuf√ľhren. Wenn von 300 Zielen gesprochen wird, die an einem Tag bek√§mpft worden sind, so m√ľssen diese doch bekannt sein. Der Anschlag vom 7. Oktober war aber dem Vernehmen nach nicht bekannt, obwohl Israel den besten Geheimdienst hat und dieser Angriff von langer Hand und seit l√§ngerer Zeit geplant gewesen sein muss. Das l√§sst Vermutungen zu. In einem Krieg ist das erste Opfer die Wahrheit, sagt man und das d√ľrfte hier auch nicht anders sein.

Die Bilder von den Bombardierungen erinnern an den Bombenterror gegen Deutschland, die damals zum Ziel hatten, m√∂glichst viele Zivilpersonen zu t√∂ten. In Gaza sind es inzwischen √ľber 10.000 Tote und noch mehr Verletzte, also √ľber das 10-fache der Opfer in Israel. Aufgrund der Methode, die 2-Millionen-Bev√∂lkerung des Gaza-Streifens in den S√ľden zu vertreiben, sie dort von der Versorgung mit dem N√∂tigsten abzuschneiden und sie dann auch noch zu bombardieren, ist an Unbarmherzigkeit kaum zu √ľberbieten. Die Bilder der Zerst√∂rungen, der hungernden und durstenden Kinder und die Hoffnungslosigkeit, aus der es kein Entkommen gibt, sind kaum zu ertragen. Man muss sich auch fragen, ob die Bomben auf die Fl√ľchtlingslager in diesem Umfang gerechtfertigt sind.

Dem amerikanischen Pr√§sidenten wurden sogar die √úbergriffe der j√ľdischen Extremisten in den illegalen Siedlungen im Westjordanland auf die angestammte Bev√∂lkerung zu viel und hat Israel ermahnt. Eine Seltenheit, denn die US-Regierungen sind bislang immer mit den Israelis solidarisch auch im Hinblick auf die n√§chsten Pr√§sidentschaftswahlen. Auch die erneuten Bem√ľhungen des amerikanischen Au√üenministers Blinken, die Menschenrechte zu beachten und eine Feuerpause einzulegen, sind bei Netanjahu auf Ablehnung gesto√üen. Die Israelis glauben sich das leisten zu k√∂nnen aufgrund ihres gro√üen Einflusses in den USA.

Unsere Bundesregierung hat sich bei der Forderung einer sofortigen humanit√§ren Waffenruhe in der UN-Vollversammlung der Stimme enthalten und ist daf√ľr vom hiesigen Zentralrat der Juden (ZdJ) kritisiert worden, denn diese haben ein Gegenvotum erwartet. Der ZdJ darf sich √ľber die Reaktionen der Muslime zu den in Deutschland lebenden Juden nicht wundern, wenn der ZdJ jede Kritik an der israelischen Regierung vermissen l√§sst, egal was sie tut.

F√ľr die Bundesrepublik ist das Existenzrecht Israels zwar Staatsr√§son, aber nicht Vasallentreue gegen√ľber israelischer Politik. Das Grundrecht auf freie Meinungs√§u√üerung ist durch den Gummiparagraphen ‚ÄěVolksverhetzung‚Äú ohnehin schon ausgeh√∂hlt worden. Wenn nun noch der Kommentator Kolhoff in der CN meint, dass Israel keine andere Wahl hat, so ist diese Meinung an Zynismus kaum zu √ľberbieten. Wenn Kolhoff auch noch anf√ľhrt, dass die Israelis vor 18 Jahren die damals illegalen Siedlungen des Gazas unter Scharon verlassen haben, so deswegen, weil es Israel zu teuer wurde und nicht aus Menschenfreundlichkeit. Seinerzeit haben die Juden die Geb√§ude platt gemacht bis auf die Synagoge. Das dann die Pal√§stinenser dieses Gotteshaus auch zerst√∂rten, ist m.E. verst√§ndlich. Aber die Propaganda dar√ľber weltweit l√∂ste gegen die Pal√§stinenser Emp√∂rung aus. Kolhoff f√ľhrt das Beispiel der Vertreibung der Deutschen aus ihren Gebieten an und anstatt dieses Jahrhundertverbrechen zu gei√üeln, empfielt er den Pal√§stinensern, das Unrecht der Vertreibung hinzunehmen und es den Deutschen gleich zu tun. Die 2,5 Millionen deutscher Opfer bei dieser Aktion der Siegerm√§chte wird tunlichst verschwiegen. Wir haben uns der Gewalt der Siegerm√§chte notgedrungen gebeugt, weil wir keine Chance hatten. Die Pal√§stinenser glauben aber noch daran und werden vor allem durch ihren Glauben gest√§rkt, trotz aller Widrigkeiten.

Ich wei√ü auch nicht, wie es weitergehen soll im Nahen Osten. Aber dem erbarmungslosen Vorgehen der Israelis gegen die Zivilbev√∂lkerung im Gaza und den Fl√ľchtlingslagern muss Einhalt geboten werden!

Es ist ein Dilemma. Die Zwei-Staaten Lösung wäre wahrscheinlich eine Möglichkeit, die auch mehrfach schon von der UNO vorgeschlagen wurde. Man sollte es versuchen.

Manfred Kuras